Impressionen von der “Next Organic” in Berlin

messeAm vergangenen Sonntag, den 18. Mai, hatte ich das Vergnügen, bei der Next Organic im ehemaligen Berliner Flughafen Tempelhof dabei sein zu dürfen. Die Fachmesse, die ihren Fokus auf ethisch vertretbare und ökologisch nachhaltige Produkte legt, fand in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal statt. Insbesondere die Transparenz bei Produktion und Vermarktung stand hier bei den Ausstellern im Vordergrund. Die wichtigsten Trends in diesem Jahr waren ganz klar Raw Food, funktionale Getränke (also Tees, Smoothies oder Wässerchen mit zugesetzten “Wunderstoffen” aus Brasilien, Africa und Co. 😉 ), Öle sowie vegane Produkte, also z.B. Käse aus Cashew-Nüssen oder Soja-basierte Brotaufstriche. Auch mit von der Partie waren natürlich diverse Anbieter von Kaffee, Schokolade, Gewürzen, Craft Bier, Käse, Fleisch und Wurst usw… Und natürlich gab es – ganz wichtig und absolut erwähnenswert – eine Wein-Etage über dem normalen Messebereich: die “Next Organic Wine”. Aber dazu weiter unten mehr.

Zum Hintergrund: Grundsätzlich müssen alle Produkte bei der Next Organic frei von Gentechnik sowie synthetischen Zusatzstoffen sein. Weiterhin sollten bei der Herstellung traditionelle handwerkliche Praktiken genutzt sowie auf die Ökobilanz stark geachtet werden. Möglichst viele Inhaltsstoffe sollten also regional bezogen werden. (Bei Schokolade oder Kaffee ist letzteres natürlich nur bedingt realisierbar…) Zusätzlich zum regulären Messe-Treiben gab es auch auf der Next Organic ein vielversprechendes Rahmenprogramm. Unter anderem habe ich an einem spannenden Tasting und einer Führung über die Messe teilgenommen, worüber ich hier gern ein wenig ausführlicher berichten möchte.

tasting tastingsorten

Das “Bier & Brot” Tasting war mein persönliches Highlight des Messebesuchs. Die beiden super netten Verkostungsleiterinnen Sylvia Kopp von der Berlin Beer Academy und Katrin Knopp von der Neuköllner Bäckerei Beumer & Lutum hatten die super Idee mal Bier und Brot zusammen zu verköstigen. Warum nicht mal was neues wagen? Unter dem Motto “Getreide schmecken und trinken!” gab es vier verschiedene Kombinationen aus Bier und Brot zum Probieren. Gespickt mit vielen interessanten Fakten und Anekdoten machte es sehr viel Spaß sich mal auf neue Geschmackskombinationen einzulassen.

dinkeltoastundemmerbier alpenpaleale

Besonders begeistert war ich vom Riedenburger Emmerbier (gebraut mit 50% Emmermalz, Einkorn-, Dinkel-, Gersten- u. Weizenmalz), welches zu einem Dinkelbuttertoast gereicht wurde. Emmer gehört zusammen mit Einkorn und Dinkel zu den Urgetreiden und gibt dem Bier einen milden fruchtig-aromatischen Geschmack, was wiederum perfekt zum Dinkeltoast passte. Eigentlich dachte ich ja immer, ich wäre kein Toast-Fan. Ganz selten esse ich mal eine Scheibe bei meinen Eltern und an die Weißbrote, die mir bisher so untergekommen sind, möchte ich gar nicht denken… Aber ich hatte wohl auch noch nie so ein ordentliches Toastbrot wie dieses probiert. Von daher – weg mit den Vorurteilen! Toast kann ja so fantastisch schmecken. Werde mir das definitv demnächst auch mal für zu Hause kaufen, praktischerweise gibt es zahlreiche Filialen der Bäckerei in Berlin und eine davon nur unweit meiner Wohnung! 😀
Auch die weiteren Kombinationen waren sehr lecker, je ein Brot und ein Bier (wenn auch nicht zusammen verköstigt) sind mir in besonderer Erinnerung geblieben. Zum einen war da das Hausbrot von Beumer & Lutum, von dem ich netterweise im Anschluss an die Verkostung direkt ein halbes mit nach Hause nehmen durfte. Das Weizenmischbrot bekommt seine dunkle Farbe und das tolle Röstaroma daher, dass Brotreste geröstet und dem Teig beigemengt werden – na das nenne ich mal sinnvolle Resteverwertung! Außerdem hat mir noch das Liechtensteiner Alpen Pale Ale gefallen – ein natürtrübes IPA, das irgendwie exotisch schmeckt und ganz viel Lust auf Sommer macht.

Vom Brot & Bier Tasting ging es weiter über die Messe, zu anderen Tastings und zu einem Rundgang – und nicht irgendeiner, sondern ein Rundgang für Food Blogger! Ja, richtig gelesen. Als ich den Programmpunkt im Heft fand, war ich ganz aus dem Häuschen. Ich könnte jetzt so viel berichten – wahrscheinlich säße ich morgen früh noch hier. Darum will ich mich auf diejenigen Aussteller beschränken, bei denen ich etwas mehr Zeit verbracht habe und mit denen ich auch über ihre Arbeit und die Produkte ins Gespräch gekommen bin.

oelmuehle leinoel

Beim Ölwerk Berlin habe ich ein leckeres Leinöl probiert, von dem ich sogar ein kleines Muster mit nach Hause nehmen durfte. Die Öle werden alle kalt gepresst und sind ungefiltert. In der nächsten Woche wird also damit gekocht – mal schauen, was ich leckeres damit anstelle! Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl wäre da ein Klassiker aus meiner Kindheit, aber da gibt es ja so viele Möglichkeiten. Salatdressings, grüne Smoothies

voogieDa wären wir direkt beim nächsten interessanten Produkt. Smoothies waren auf der Messe ja allgegenwärtig. Probiert habe ich hier den grünen Smoothie Voogie – für alle die auch finden, dass Smoothies, die man kaufen kann, oft viel zu süß sind und kaum nach dem schmecken, was eigentlich drin sein soll genau das Richtige. Voogie besteht hauptsächlich aus Quellwasser, Apfel, Spinat, Gurke, Banane und Kiwi. Der Smoothie ist sehr dickflüssig und meiner Meinung nach recht sättigend, somit also als Zwischenmahlzeit für unterwegs bestens geeignet.

Weitere Eindrücke vom Rundgang:

LandWehr-Hof weizensekt

Links: Schinken vom LandWert Hof. Hier schmeckt man wirklich Seeluft! Die Leberwurst war mein persönlicher Favorit. Besonders an der Metzgerei ist, dass warm geschlachtet wird. Durch die extrem schnelle Verarbeitung sind kaum künstliche Zusatzstoffe zur Konservierung nötig.
Rechts: Ziemlich abgefahren – Weizen-Sekt aus dem Schwarzwald: um ehrlich zu sein, ich persönlich konnte es schon nicht riechen, geschweige denn trinken – seltsames Zeug. Aber die Meinungen in der Gruppe waren recht unterschiedlich. Immerhin bin ich nun wieder um eine Erfahrung reicher!

freundlicheAusstellerWie oben bereits erwähnt, gab es zusätzlich eine komplette Etage für die “Next Organic Wine”! Die Aussteller waren alle super freundlich, gaben Auskunft über alle möglichen Details der Produktion (von altbewährten Geheimrezepten natürlich mal abgesehen) und natürlich wurde reichlich Alkohol verköstigt. Hier meine persönlichen Highlights:

WeingutPeterJacobKuehn location

Leckerer Riesling aus dem Rheingau vom Weingut Peter Jacob Kühn – mit tollen Erklärungen von der lieben Lisa-Maria! Hier sieht man auch nochmal etwas von der tollen Location der Veranstaltung.

Und dann mal gar kein Wein – sondern Vermouth! Belsazar ist der erste deutsche Hersteller, der es sich gewagt hat in Deutschland Wermut zu produzieren. Der Rosé war mein Favorit!

Kirschwein? Warum nicht – symphatische Weine von Frederiksdal aus Dänemark. Besonders interessant: der Sur Lie, ein Wein der nach einer alten französischen Methode nach Ende der Gärung noch für einige Zeit auf Hefe gelagert wird. Dadurch bekommt er nochmal einen viel intensiveren Geschmack.

RaisignacLaue Sommernacht? Dazu ein Gläschen Raisignac für mich bitte! Obwohl das Gut von Jean Pasquet für seinen Cognac bekannt ist, konnte ich diesen nach dem ganzen Wein beim besten Willen nicht mehr probieren.  Zum Glück – denn so konnte ich diese tolle Entdeckung hier machen. Für die Herstellung von Raisignac werden Traubensaft und Eau de vie – also Trester – mit ein wenig Kohlensäure versetzt. Der Geschmack erinnert im ersten Moment irgendwie an Cognac, aber die leichte Süße und das Prickeln machen den Apéritif dann irgendwie doch ganz leicht – und definitiv Lust auf mehr! Leider kann man Raisignac in Deutschland noch nicht kaufen. Die Cognacs gibt es bereits bei Vini Culture in Berlin – bleibt nur zu hoffen, dass auch der Raisignac bald ins Sortiment aufgenommen wird!

Die Food Blogger Tour wurde übrigens von der Agentur Tidbits organisiert. Ein großes Lob an Cathrin Brandes dafür! Denn dank der Tour hatte ich auch zum ersten Mal Gelegenheit andere Food Blogger kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen. Natürlich kam ich mir ganz schön klein vor mit meinen 5 Monaten Blog-Erfahrung neben Ariane von Kulinarische Momentaufnahmen, die sogar schon ein Buch geschrieben hat! Dafür hat sie bedeutende Persönlichkeiten der deutschen Food-Blogger-Landschaft interviewt – wirklich beeindruckend!
Oder aber Maike von smámunir, die ebenfalls seit längerem tolle Rezepte und Berichte über  Restaurantbesuche auf ihrem wunderschönen Blog veröffentlicht. Und Nadine von Organic Cottage, deren Blog sich zwar momentan in einer Umstrukturierungsphase befindet, weshalb sich keine aktuellen Einträge finden, aber auf jeden Fall lesenswert ist!

Alles in allem war es also ein hoch spannender Tag, voll von neuen kulinarischen Entdeckungen und Bekanntschaften. Und auch wenn manche Trends meiner Meinung nach eher Modeerscheinungen sind, so war es doch ein interessanter Einblick in die Produktwelt von Morgen. Und man muss ja auch nicht jeden Quatsch mitmachen. Ob ein Tee mich nun entgiftet, ein Smoothie mich verjüngt oder sonstige Inhaltsstoffe in meinem Essen meine Stimmung positiv beeinflussen, ist mir ehrlich gesagt herzlich egal. Schmecken soll es doch vor allem – und wenn tolles Essen oder ein fabelhafter Wein mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern und mich beim Augenschließen an einen anderen Ort versetzen – dann haben sie (ganz ohne Guarana, Moringa und Co.) doch längst ihren Zweck erfüllt!

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