Mohn-Pflaumenmus-Plätzchen und Eindrücke aus Kenia

Ich weiß, dieser Beitrag hier war eigentlich für den ersten Adventssonntag angekündigt. Ich habe den Tag dann aber mit so viel Kochen und Weihnachtsbäckerei verbracht, dass ich am Ende zu k.o. war, um mich nochmal an den Laptop zu setzen. Nach einer einwöchigen Reise durch das ländliche Westkenia, war es nämlich mein einziger Tag in der letzten Woche, an dem ich überhaupt die Möglichkeit hatte mein eigenes Essen zu kochen. Entschuldigt also die Verspätung. Bevor ich zu den Plätzchen komme, möchte ich gern erstmal ein bisschen berichten, warum es so lange still auf dem Blog war. Für alle Ungeduldigen geht es hier aber direkt zum Rezept. 😉

Die lange Blogpause ist meinem neuen aktuellen Wohnort geschuldet, der seit Ende September vorübergehend Nairobi heißt. Was ich hier mache? Meine Masterarbeit am International Potato Center (CIP) schreiben. Das ist ein Institut – man ahnt es kaum – das sich hauptsächlich mit dem Anbau von Kartoffeln, Süßkartoffeln und anderen Wurzel- und Knollenfrüchten beschäftigt. Ich für meinen Teil bin ausschließlich in Projekte involviert, die sich mit der klassischen Speisekartoffel auseinandersetzen. Ganz kurz gesagt, geht es dem Institut darum, die Erträge von Kartoffel-Kleinbauern in Sub-Sahara Afrika zu steigern. Bei Gelegenheit werde ich über die Rolle von Kartoffeln in der Ernährung hier in Kenia und meine Recherchen für die Masterarbeit noch ausführlicher berichten. Auf meinen Reisen dokumentiere ich außerdem momentan alle (mehr oder weniger) kulinarisch inspirierenden Mahlzeiten.

Kenia ist ein beeindruckendes Land, mit seinen vielen verschiedenen Vegetationszonen und einer fantastischen Tier- und Pflanzenwelt. Nairobi und die Kartoffelanbauregionen, in denen ich mich meist bewege, liegen auf 1600 Metern oder höher, was für ein angenehmes Klima sorgt. Tagsüber haben wir meist angenehme 23 bis 25 °C und nachts kühlt es ab auf etwa 15 °C. Nairobi liegt ja minimal südlich vom Äquator, das heißt gerade ist hier theoretisch Frühling. Allerdings werden die Jahreszeiten in Kenia eher an den Regenzeiten gemessen: die sogenannten “long rains” von April bis Juni und die “short rains”, in denen wir uns theoretisch gerade befinden (Ende Oktober bzw. Anfang November bis Mitte Dezember). In den letzten Jahren sind die Regenfälle allerdings auch während dieser Perioden zurückgegangen. Im Oktober war z.B. noch gar nichts zu merken von den “short rains” und mittlerweile regnet es zwar ein klein wenig häufiger als im Oktober, aber es vergeht durchaus mal eine ganze Woche ohne Regen…

Theoretisch richtet sich der Anbau vieler Produkte nach ebendiesen Regenzeiten, aber durch die ausbleibenden Regenfälle, hat sich da vieles verschoben. Was saisonale Küche angeht, bedeutet das für mich momentan im Prinzip, dass es kaum etwas gibt, das es nicht gibt. Und das obwohl ich aus Prinzip kein importiertes Obst und Gemüse kaufe. Es gibt allerdings gewaltige Preisunterschiede zwischen klassischen Exportgütern und Waren, die in der kenianischen Küche traditionell Verwendung finden. Gerade in Nairobi, bekommt man aber sicher auch aufgrund der großen Anzahl Expats so ziemlich alles. Rhabarber und Erdbeeren zum Beispiel, womit ich so gar nicht gerechnet hatte. Oder grünen Spargel. Dann aber wiederum auch verschiedene Kürbisarten. Hier herrscht sozusagen gerade ein bisschen verkehrte Welt bei mir, was die Saisonalität beim Kochen angeht. Nicht wundern also, falls ich in Zukunft, das ein oder andere Rezept poste, das so gar nicht in die kalte Jahreszeit passen will.

Kenianische Rezepte (viele mit indischem Einschlag) werde ich auch bald posten und in dem Zuge dann auch ausführlicher über die Küche hier berichten. Viele Ideen sind bereits gesammelt und werden – in der Hoffnung, dass die Zeit all dies zulässt – bald hier zu finden sein: z.B. Ugali (Maismehlbrei), Chapati, Dals, Gerichte mit Matoke (Kochbananen), Süßkartoffeln und Pfeilwurz, Githeri (ein typisches Bohnen-Gericht) usw… Aber auch ganz normale Backwaren und Naschereien werden natürlich weiterhin eine ebenso große Rolle spielen. Habe in letzter jede Menge neue Cookie- und Pie-Rezepte getestet. Wer ab und an auf meiner Facebook-Seite vorbeigeschaut hat, weiß, dass ich in den letzten zwei Monaten alles andere als untätig in der Küche war. 😉 Durch das viele Unterwegssein fehlt mir leider nur meist die Zeit zum Schreiben oder zum Bearbeiten der Fotos und oft mangelt es auch schlicht und ergreifend an einer stabilen Internetverbindung.

Die Weihnachtsbäckerei hier in Kenia ist ein echt abenteuerliches Unterfangen… es fehlt an einigen ganz grundlegenden Zutaten, somit improvisiere ich oft. Letzte Woche habe ich versucht ein paar Läden zu erkunden, die mir auf Nachfrage in diversen Facebook Gruppen empfohlen wurden. Marzipan habe ich letzten Endes dann doch selbst gemacht. Leider ohne Rosenwasser – das habe ich zwar gefunden, doch war es leider als Kosmetik gedacht. Schade. Die Suche nach den einzelnen Zutaten für das typische Lebkuchengewürz gestaltet sich auch nicht gerade einfach – Sternanis gibt es hier nämlich nirgends… aber notfalls muss es halt ohne gehen. Weihnachtliche Ausstecher habe ich wie gesagt auch keine gefunden und natürlich möchte ich auch kein halbes Vermögen dafür hinblättern. Zuhause habe ich genug, die würden also eh hier bleiben. Auch Trockenfrüchte und Nüsse können zum Problem werden. Erdnüsse sind extrem günstig, Cashews aus dem benachbarten Tansania auch bezahlbar, aber Mandeln schon teurer, Haselnüsse habe ich noch nirgends gesehen bisher… Immerhin Cranberrys und Rosinen habe ich erfolgreich erstanden! Würde nämlich gern noch Stollenkonfekt backen. Und noch etwas essentielles fehlt mir hier – Weihnachtsdeko! 😦 Kein einziges Christbaumkügelchen, kein Tannenzweig, keine Nikolausstiefel… Meine Fotos (und ich) müssen also vorerst ohne klarkommen. Das Wetter, von dem hier alle so schwärmen, hilft der Weihnachtsstimmung leider auch nicht auf die Sprünge. Bei 25 Grad draußen will sich die bei mir einfach nicht so recht einstellen. Ich hab ja schon oft erwähnt, dass ich ein großer Fan von Jahreszeiten bin. Nun ja, immerhin am 20. Dezember fliege ich für die Feiertage dann doch in die Heimat und werde wohl bei meiner Ankunft einen Kälteschock bekommen…

Trotz kleineren “Zutatenbeschaffungsproblemen” war die Weihnachtsbäckerei aber schon sehr erfolgreich. Darum will ich euch auch nun nicht länger auf die Folter spannen – hier kommt endlich das Rezept für die Mohn-Pflaumenmus-Plätzchen. Habe es ein wenig abgewandelt aus der Living at Home übernommen.

Zutaten (für ca. 2-3 Bleche, also etwa 1 Blech fertige Plätzchen)

  • 100 g Mohnsamen
  • 200 g Butter
  • 75 g Zucker
  • 1 Ei
  • 1 Prise Salz
  • 250 g Mehl (+ etwas Mehl zum Verarbeiten)
  • 150 – 200 g Pflaumenmus

Zubereitung

Zunächst die Mohnsamen grob zerkleinern, im Mörser oder elektrischen Zerkleinerer. Man kann aber (in Deutschland) auch direkt Backmohn kaufen, der ist dann schon gequetscht.

Nun die Butter würfeln und zusammen mit Zucker, Ei, Salz und Mehl verkneten. Wer eine Küchenmaschine hat, darf gern die Knethaken ranlassen – bei mir war aber Handarbeit angesagt. Zum Schluss die zerstoßenen Mohnsamen unterkneten. Teig in Klarsichtfolie wickeln und für ca. 1 Stunde in den Kühlschrank geben.

Jetzt ein Backblech mit Backpapier auslegen und den Ofen auf 180 °C vorheizen. Die Arbeitsfläche mehlen und den Teig ca. 3 mm dick ausrollen. Ich habe verschiedene Teigstärken ausprobiert und fand die dünneren Plätzchen am besten, da man sie ja am Ende doppelt nimmt. Nun verschiedene Formen (ich für meinen Teil hätte ja gerne Schneeflocken gemacht) ausstechen und auf das Backblech legen. Dabei immer zwei Plätzchen mit der gleichen Form ausstechen – eins ganz lassen und beim zweiten in der Mitte noch einen kleinen Kreis ausstechen. Mangels Ausstechförmchen habe ich mir ein Wasserglas sowie einen Flaschenhals zur Hilfe genommen.

Die Plätzchen werden bei 180 °C ca. 10 min gebacken. Danach zum Abkühlen vorsichtig auf ein Gitter geben. Anschließend die Plätzchen ohne Loch mit reichlich Pflaumenmus bestreichen und jeweils ein Plätzchen mit Loch daraufsetzen. Beim Pflaumenmus hatte ich das Glück, dass der in diesem Jahr schon fertig gekocht war, bevor ich Ende September nach Kenia kam. Somit konnte ich noch ein frisches Glas abstauben und in meinen Koffer packen. Danke an meine liebe Familie dafür!

Mohn-Pflaumenmus-Plaetzchen2
Sicher schmecken diese Plätzchen aber auch mit anderen Marmeladensorten – je nach euren Vorlieben. Probiert es einfach mal aus. Viel Spaß beim Nachbacken und bis bald! Ich gelobe Besserung, was die Regelmäßigkeit meiner Posts angeht und versuche mich im Laufe der Woche mit selbstgemachtem Marzipan und diversen Makronenrezepten erneut zu melden.

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